In dieser Serie bittet frieze d/e KünstlerInnen, KuratorInnen oder AutorInnen, über ein Wort und seine Wirkung nachzudenken
Carla Accardi, Rotoli, 1965–68 (Courtesy: die Künstlerin & Galleria Massimo Minini)
Mehr als Farben habe ich schon immer ihre Zusammenstellungen und das Licht geliebt, das von ihnen ausgeht. Leuchtendes Grün auf transparentem Kunststoff war für mich höchster Ausdruck des Sonnigen. Plastik und leuchtende Farben, das gefiel mir. Ich wollte sie nobilitieren, weil sie nichts als Licht waren.
Zu dieser Zeit gab es für mich kein Bild mehr, denn ich habe den Malgrund und den Rahmen sichtbar und die Spuren meiner Arbeit anonym werden lassen. Ich verwendete Sicofoil, um alles wegzulassen, was für die Kunst nicht unbedingt notwendig ist. Ich wollte sehen, was dann noch bleibt.
Helles, fast weißes Licht – leuchtende Sonnenfarben, Plastik als ein Ding aus Licht, das sich fließend mit der Umgebung mischt und dem Bild seinen Wert als Totem nimmt. Wenn ich unbemaltes Sicofoil über einem Rahmen verwendet habe, hat es mir Spaß gemacht, das Licht zum Leuchten zu bringen; weiße Glanzlichter, dort wo die Folie sich biegt oder einrollt.
Diese Transparenz, dieses luftige Leuchten in Triplice tenda (Dreifaches Zelt, 1969–71), das sich heute in der Sammlung des Centre Pompidou befindet, und bei Ambiente arancio (Ambiente in Orange, 1967), jetzt in der Sammlung des Straßburger Museums, – davon habe ich geträumt.
Übersetzt aus dem Italienischen von Michael Müller
—von Carla Accardi